AWO in Stormarn Hagengirls
 

Zwei links, zwei rechts bei 60°C

24.01.2012 12:03

 

„Das Stricken habe ich vom jüngsten Bruder meiner Mutter gelernt. Ich muss so sieben, acht Jahre alt gewesen sein“, erzählt Elfriede Gerauch. Seitdem hat die 81-Jährige das Strickzeug immer wieder in die Hand genommen und wird regelmäßig auf ihre eigene Stricktechnik angesprochen. „Ich führe den Faden anders und kann dadurch nur fühlen, ob ich links oder rechts abstricken muss“, erzählt sie Susanne Weber, Leiterin des Servicehaus Mettenhof.

Dass die beiden sich getroffen haben, ist einem Zufall zu verdanken, der Susanne Weber im richtigen Moment in den Keller des Hauses schickte. „Frau Weber hat mich in der Waschküche erwischt“, lacht Frau Gerauch. Dort hatte sie es sich auf einem Stuhl bequem gemacht. „Stricken, Lesen, Rätseln – ich brauche immer was zu tun, auch in den zehn Minuten bevor die 60°-Maschine fertig ist. Ich gehe immer einen Moment eher runter. Die anderen Mieter im Haus wollen die Maschine ja auch nutzen“.

 

Die besten Ideen kommen mir im Bett

 

Auch wenn man sich in ihrem Wohnzimmer umschaut, entdeckt man immer eine Strickarbeit, an der sie gerade werkelt. Und das, obwohl Elfriede Gerauch vor ihrem Einzug ins Servicehaus etwa zehn Jahre lang Wolle und Faden nicht angerührt hat. Doch neuerdings entstehen wieder Bettschuhe, Haussocken oder Beutelchen - „gerne auch auf Bestellung von Frau Weber“, erzählt Frau Gerauch. So hat sie im Rahmen der Kampagne „Wir stricken an der Zukunft der Pflege“ auch Babyschuhe für eine Frühchenstation gestrickt und gespendet. Die Wolle wurde ihr gestellt. Und für das neu startende Schulprojekt strickt sie gerade kleine Strickbeutelchen mit verschieden en Mustern für jeden Schüler. „Die besten Ideen kommen mir immer morgens um sechs Uhr im Bett, da fiel es mir auch wie Schuppen von den Augen und ich wusste plötzlich, wie ich die Fäden zum Zuziehen des Beutels verändern muss, damit er fest schließt“.

 

Doch mit dem Einzug im 2010 hat Frau Gerauch nicht nur die Fäden im direkten Wortsinn wieder aufgenommen. Auch viele alte Bekannte, die in der gleichen Straße gelebt hatten, hat sie wieder getroffen. „Ich selbst habe in der Hausnummer 15 gelebt. Aus der Nummer 17 ist Frau Müller hier, aus der 19 Frau Koll, aus der 23 Frau Petersen, und ich meine, es war die 35, in der Frau Sass gelebt hat.“ Sie alle wollten in ihrem Stadtteil Mettenhof bleiben. Über die ungeplanten Treffen im Alltag, den kurzen Plausch vor dem Fahrstuhl oder beim Einkauf im Supermarkt gegenüber, freut sich Elfriede Gerauch. „Und Frau Eymes, eine neue Bekannte, weil Strickverbündete, klingelt manchmal spontan an der Tür und zeigt, was sie Neues strickt“.