AWO in Stormarn Frühstück in einer Kindertagesstätte
 

Einmal um die ganze Welt..

16.12.2010 12:12

 

Angefangen hat alles Ende der 50er Jahre mit einer Stellung in einem Familienhaushalt: „Die Kinder waren aus dem Haus und mich hat die Reiselust gepackt.“ Weil ihr Mann in Russland gefallen war, hatte Erna Windus ihre Kinder alleine groß ziehen müssen: „Andere Frauen haben wieder geheiratet. Ich habe immer gearbeitet.“ Auch in ihrem neuen Job arbeitete sie viel, doch nicht mehr für die Kinder: „Ich habe gearbeitet, um zu reisen.“ Als Haushälterin begleitete sie die fünfköpfige Familie auf vielen Reisen und folgte ihnen auch bei deren Auswanderung in die Schweiz. „Da ich keine Aufenthaltsgenehmigung hatte, musste ich nach einem halben Jahr wieder zurück nach Deutschland. Doch ich konnte nicht zuhause bleiben, ich wollte die Welt sehen.“ Mit dem Dampfer über den Atlantik Das Fernweh hat sie insgesamt fünfzehn Mal nach Ungarn  betrieben. Zweimal war sie auf Mallorca, und auch Italien und die Türkei hat sie gesehen. Anfang der 60er Jahre schließlich reiste sie mit ihrer Mutter für mehrere Monate nach Amerika, wo ihre Tochter mit einem Amerikaner verheiratet war.

 

„Mit einem Dampfer ging es über den Atlantik.“

Bekannte ihrer Familie hörten von ihrem Aufenthalt und luden Erna Windus nach New York ein. „Sie führten dort ein Delikatessengeschäft und boten mir an, in der Küche zu arbeiten.“ Aus dem Besuch wurden viereinhalb Jahre. Als ihr Schwiegersohn in den Vietnamkrieg eingezogen wurde, ging Erna Windus nach Virginia, um ihrer Tochter im Haushalt und mit den Kindern zu helfen. „1968 habe ich sogar mit 52 noch den Führerschein gemacht.“ Kurz darauf überredete ihre Schwester sie, zurück nach Hessen  zu gehen, um ihr in ihrem Schneidergeschäft zu helfen. „Diesen Fehler habe ich bis heute bereut. Ich hatte Heimweh nach Amerika und flog jedes Jahr für mehrere Wochen in die USA.“

 

 „Oma, du kommst zu uns“

 

Auch im November 2009 blieb Erna Windus für vier Monate bei ihrer Tochter. „Sie bot mir an, bei ihr zu leben, wollte die Garage umbauen lassen. Doch ich lehnte ab und kehrte nach Hessen zurück.“ Im Mai 2010 dann änderte sich alles: „Ich erlitt einen schweren Schlaganfall und konnte nicht in meine Wohnung zurück.“ Ihre Enkeltöchter, die in Schönkirchen lebten, zögerten nicht lange: „‚Oma, du kommst zu uns‘, haben sie gesagt. Direkt aus dem Krankenhaus bin ich also nach Schönkirchen gezogen.“

Seit fünf Monaten nun wohnt Erna Windus schon im Service- und Wohnzentrum der AWO. „Man schaut immer ins Grüne. Ich habe jeden Tag Besuch. Als ich vor kurzem im Krankenhaus war, habe ich sofort gemerkt: Ich habe Heimweh nach Schönkirchen. Hier habe ich gefunden, was ich jahrelang gesucht habe.“